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Diabetes ist heilbar

Lünen/AK. Diabetes ist heilbar! Dieser Meinung ist die Wissenschaftsjournalistin Svea Golinske. In ihrem Buch „Diabetes ist heilbar“ – gemeint ist Diabetes Typ 2 – lässt sie in zahlreichen Interviews gesammeltes Expertenwissen von 13 Ärzten, Professoren aus Deutschland, Europa und den USA einfließen, die einen neuen Weg in der Diabetes-Typ-2-Therapie aufzeigen: Weg von Insulin und Tabletten und hin zu einer frühzeitigen Ernährungstherapie, die in Deutschland laut Diabetologe und „NDR-Ernährungsdoc" Dr. Matthias Riedl noch weitgehend unbekannt ist.
Mit einer kurzen Vita und Beschreibung ihrer Tätigkeit werden die Experten im Anhang des Buchs vorgestellt. Neben Dr. Matthias Riedl unter anderem der Begründer der LOGI-Methode in Deutschland, Prof. Dr. oec. troph. Nicolai Worm aus München, Prof. Dr. Stephan Martin, der sich auch wissenschaftlich mit Möglichkeiten der telemedizinischen Betreuung von Personen mit Diabetes mellitus beschäftigt, sowie der Ordinarius für Ernährungsmedizin an der TU München und Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin, Prof. Dr. med. Hans Hauner.

 

Die Zeit ist reif für eine neue Diabetestherapie

 

Die Autorin Svea Golinske ist seit ihrem 12. Lebensjahr Typ-1-Diabetikerin, sportlich sehr aktiv und hat erfahren, dass sich Diabetes über Bewegung und Ernährung erheblich beeinflussen lässt. Ihren Diabetes hat sie stets dabei und kann somit Wissen aus erster Hand weitergeben.
Ihr Fazit aus ihren umfangreichen Recherchen und Gesprächen mit Betroffenen ist: Die Zeit ist reif für einen Paradigmenwechsel in der Diabetestherapie. Diese sollte die neuesten Forschungsergebnisse miteinbeziehen und berücksichtigen sowie ebenso die Erkenntnis, dass Typ-2-Diabetes in vielen Fällen heilbar und kein unabwendbares Schicksal mehr ist.

 

Die neue Chance ergreifen

 

Doch der Behandlungsalltag in den meisten Arztpraxen sieht oft noch anders aus. Der Patient soll mit Diabetes so „normal“ wie möglich weiterleben, was meist bedeute, zuckerreich essen zu können, sich kaum zu bewegen und somit die Diabetes-Erkrankung eher zu manifestieren, bedauert die Autorin. Denn die seit Jahrzehnten bestehenden Ernährungsempfehlungen für Diabetiker, Kohlenhydrate zu essen und Fett und Eiweiß einzuschränken, seien falsch.
Sie möchte Menschen mit Typ-2-Diabetes ermutigen, die Chance zu ergreifen, ein Leben ohne Insulin bzw. ohne Medikamente zu führen. Viele könnten sogar auf eine komplette Remission (Heilung) der Erkrankung hoffen.

Die Autorin erklärt in den einzelnen Kapiteln ausführlich, was man unter Diabetes versteht, welche verschiedenen Diabetes-Typen es gibt, die Behandlung bei Diabetes-Typ-1 mit verschiedenen Insulinarten, die Symptome, die auf Diabetes hinweisen, die Entwicklung bei der Blutzuckeruntersuchung, wie man ungesundes Übergewicht erkennen kann (Body-Mass-Index, BMI bzw. Taille-Hüft-Verhältnis, THV), die Geschichte und den Wandel in der Diabetes-Therapie, wie der Kohlenhydratstoffwechsel funktioniert und welche Rolle Insulin dabei spielt. Sie nimmt die offiziellen Ernährungsempfehlungen für Typ-2-Diabetiker der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die immer noch eine kohlenhydratbetonte Kost empfehlen, kritisch unter die Lupe und bezieht die neuesten wissenschaftlichen Studien sowie die Nutrigenetik- und Epigenetikforschung mit ein.

Eingestreut sind verschiedene hellgrün bzw. dunkelgrün unterlegte Übersichten wie zum Beispiel über Mikro- und Makronährstoffe, Kalorien- bzw. Energiebilanz in Beziehung zum jeweiligen Lebensstil sowie Erklärungen von Fachausdrücken, die leicht verständlich geschrieben sind.

 

Wie entstehen Heißhungerattacken?

 

Verständlich und ausführlich erklärt Svea Golinske anhand einer Grafik das Zusammenspiel von Kohlenhydraten, den Anstieg des Blutzuckerspiegels und die Ausschüttung von Insulin, um diesen wieder zu senken. Bleibt das in hoher Konzentration ausgeschüttete Insulin nach dem Verzehr von einfachen Kohlenhydraten (Süßigkeiten, Kuchen, Gebäck, Weißbrot etc.) zu lange im Stoffwechselprozess in den Blutbahnen, sinkt der Blutzuckerspiegel zu sehr ab. Wir fühlen uns zittrig und schwach. Die Folge: Der Körper reagiert auf diesen Energiemangel im Körper mit Hunger, Appetit bis hin zu starken Heißhungerattacken und will erneut Süßes, um den Blutzucker wieder zu erhöhen.
Vor allem bei Diabetikern, die Insulin spritzen, verschärfe sich dieses Problem, da eine exakte Dosierung des Hormons für eine sehr kohlenhydratreiche Mahlzeit schwer möglich sei. So werde laut Golinske eher eine Heißhungerattacke produziert anstatt Sättigung. Bei weniger Insulin im Blut sei diese Gefahr geringer.
Da Insulin ein Wachstumshormon ist, hemme es die Fettverbrennung und begünstige die Einlagerung von Fett, aber auch den Aufbau von Muskeln. Es sorgt auch dafür, dass in den Zellen Energie für den Körper zur Verfügung steht.

 

Wie entstehen Prädiabetes und Insulinresistenz?

 

Bei einer Insulinresistenz reagieren vor allem Muskel- und Fettzellen bzw. Leberzellen oder Zellen des zentralen Nervensystems nicht mehr so sensitiv auf das Insulin, damit sie Glukose aus dem Blut aufnehmen können. Sozusagen passen Schlüssel (Insulin) und Schloss (Rezeptorprotein, welches das Insulin zum Aufschließen der Zelle für das Insulin erkennt), nicht mehr richtig, erklärt Golinske. Zum Einschleusen von Glukose in die Zelle würden individuell unterschiedlich immer höhere Konzentrationen von Insulin im Blut benötigt, da die Glukose nicht vollständig in die Zellen transportiert werden kann. Der Blutzuckerspiegel bleibt weiterhin erhöht, sodass die Bauchspeicheldrüse weiter Insulin produziert. Dies könne laut Angaben von Prof. Dr. Nicolai Worm so weit führen, dass ein insulinresistenter Mensch nach einer zuckerreichen Mahlzeit einen bis zu 15-mal höheren Insulinspiegel aufweise als jemand mit normaler Insulinsensitivität. Bei einer anhaltenden Insulinresistenz erschöpfe die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse. Die Folge sind erhöhte Blutzuckerwerte. Diabetes-Typ-2 wird diagnostiziert. Eine anhaltende Insulinresistenz werde oftmals auch Prädiabetes genannt, da meist Diabetes-Typ-2 entstehe, wenn das Problem nicht behoben wird, erläutert die Autorin. Sie macht darauf aufmerksam, dass dieser Prozess oftmals viele Jahre dauern kann und daher bei der Diagnose von Typ-2-Diabetes bis zu 40 Prozent der Patienten bereits Folgeschäden an Organen und Nerven aufweisen.
Ebenso erhöhen sich bei einer Insulinresistenz auch das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht, bekannt auch unter dem Stichwort „Metabolisches Syndrom“.

 

Ursachen der Insulinresistenz

 

Als mögliche Ursachen einer Insulinresistenz nennt Svea Golinske erbliche Faktoren, Fehlernährung, Bewegungsmangel und Stress. Zum Problem werde die Insulinresistenz aber erst dann, wenn zu viel Glukose im Blut vorkomme, die durch die Resistenz nicht vollständig in die Muskelzellen und in die Leber transferiert werden können. Diese überschüssige Energie werde in die Fettzellen abgelagert, wo sie in Körperfett umgewandelt wird. Diese mit Glukose gefütterten Fettzellen können sich laut Prof. Dr. Nicolai Worm schnell entzünden. Würden diese Entzündungen chronisch, können auch die Fettzellen insulinresistent werden. Die Folge für den Menschen: Neben der Kohlenhydratstörung leide er auch an einer Fettstoffwechselstörung. So könne eine durch Fehlernährung entstandene Fettleber eine häufige Begleiterscheinung einer Typ-2-Diabetes sein, weiß Experte Dr. Matthias Riedl aus seiner Praxiserfahrung. Wichtig bei Übergewicht sei, an welchen Körperstellen sich das Fett angesammelt habe.  

 

Was fördert Typ-2-Diabetes?

 

Der Lebensstil in der heutigen Überflussgesellschaft ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung einer Erkrankung an Diabetes-Typ-2. Sind die Patienten also selbst daran schuld zu erkranken? Haben sie sich zu wenig bewegt und zu viel und zu ungesund gegessen?
Das sei nur ein Teil der Wahrheit, meint die Autorin und sieht auch die Nahrungsmittelindustrie in der Pflicht, die durch bestimmte Inhaltsstoffe auf unsere Instinkte und unser Gehirn einwirke, das dann nach „mehr davon“ verlangt, zum Beispiel nach dem Süßem, wenn wir daran gewöhnt sind. So sei das Angebot an zuckerhaltigen Nahrungsmitteln um ein Vielfaches gestiegen, vor allem auch in den meisten herzhaften verarbeiteten Nahrungsmitteln wie zum Beispiel in Pizza. Meist werden die Geschmacksreize „süß", „fett“ und „salzig“ bedient, die unser Körper besonders mag. Diese vielen versteckten Zucker in den Nahrungsmitteln erschwerten es den meisten Menschen, sich gesund zu ernähren, bedauert Svea Golinske, die genau erklärt, wie Zucker auf unser Gehirn einwirkt und somit die Entstehung von Typ-2-Diabetes fördere. Präventive Maßnahmen seien daher auch eine Aufgabe der Politik.

 

Welche Ernährung bei Diabetes?

 

Ist Low-Carb eine geeignete Ernährung bei Diabetes? Svea Golinske nennt als Beispiel den US-Arzt Dr. Richard E. Bernstein für eine erfolgreiche kohlenhydratarme Ernährung bei Diabetes. Der inzwischen 83-Jährige ist seit seinem 12. Lebensjahr Typ-1-Diabetiker. Er esse etwa 30 Gramm Kohlenhydrate am Tag, zu denen er Basalinsulin spritzt. Sein guter Gesundheitszustand zeige, dass Low-Carb-Ernährung bei Diabetes „eine gesunde Wahl sein kann“. Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker profitierten von weniger Blutzuckerschwankungen und normalen Langzeitzuckerwerten. Ebenso lasse sich die Gefahr von Folgeschäden minimieren. Auch Dr. Matthias Riedl und Prof. Dr. Nicolai Worm bestätigen diese Sichtweise von Dr. Bernstein und erkennen in einer kohlenhydratreduzierten Ernährung (weniger raffinierte, stärke- und zuckerhaltige Lebensmittel) zugunsten von Fett, Proteinen und Ballaststoffen entscheidende Gesundheitsvorteile bei Insulinresistenz und beim Abbau von Körperfett.

 

Moderne Diabetestherapie mit Ernährung und Sport

 

Die Autorin zeigt die Möglichkeiten einer Ernährungstherapie bzw. ein auf den Patienten abgestimmtes, individuelles Ernährungscoaching bei Diabetes-Typ-2 auf, mit der man die Insulinsensitivität der Zellen wiederherstellen kann, stellt die LOGI-Methode von Prof. Dr. Nicolai Worm vor mit kalorienarmen Gemüsesorten, zuckerarmen Früchten, guten Fetten (Olivenöl und Butter) sowie Kräutern und Proteinen aus Hühnchen, Fisch oder Tofu, gibt Trainingstipps für eine bessere Insulinresorption durch Muskelaufbau mit speziellen Bewegungsübungen, erklärt den Zusammenhang bei Diabetes und Psyche und stellt leckere Low-Carb-Rezepte wie „Gefüllte Zucchini mit Parmaschinken", „Omega-3-Brot" oder „Mascarpone-Marmorkuchen" vor.
Jeder habe es selbst in der Hand, durch entsprechende Ernährung und Bewegung, Diabetes zu verhindern oder bei einer Erkrankung, die Einstellung des Diabetes zu verbessern oder auch seinen Diabetes-Typ-2 wieder loszuwerden. Je früher Typ-2-Diabetes erkannt werde, desto größer seien die Heilungschancen.

 

Fazit: Ein Mut machendes Buch für Diabetiker, das neue Möglichkeiten der Diabetes-Therapie aufzeigt, und für solche, die Diabetes-Typ-2 vermeiden wollen.
Interessant wäre noch zu nennen, wie sich (Intervall)-Fasten auf Diabetes und den Blutzucker- bzw. Insulinspiegel auswirkt.

 

Golinske, Svea: Diabetes (Typ 2) ist heilbar! Expertenwissen 2018: Paradigmenwechsel in der Diabetes-Therapie. 208 Seiten, Softcover, systemed Verlag, Lünen 2018. Preis: 19,95 € (D).
ISBN: 978-3-95814-085-1. Infos: www.systemed.de

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Weitere Infos:

 

 

Weitere Literaturhinweise:

 

Die SchlankformelFung, Jason: Die Schlankformel. Warum Insulin und nicht Kalorien der entscheidende Faktor beim Abnehmen ist ... Warum regelmäßiges Fasten der Schlüssel zum Schlankbleiben ist. 352 Seiten, Softcover, riva Verlag, München 2018. Preis: 19,99 € (D).
ISBN: 978-3-7423-0098-0. Infos: www.m-vg.de/riva

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Fasten. Das große HandbuchFung, Jason/Moore, Jimmy: Fasten. Das große Handbuch: Heilen Sie Ihren Körper mit kurzem, langem und intermittierendem Fasten. 256 Seiten, Softcover, riva Verlag, München 2018. Preis: 22,00 € (D).
ISBN: 978-3-7423-0357-8. Infos: www.m-vg.de/riva

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Schlank durch AchtsamkeitSchweppe, Ronald Pierre: Schlank durch Achtsamkeit. Durch inneres Gleichgewicht zum Idealgewicht. 176 Seiten, Softcover, systemed Verlag, 5., erweiterte, aktualisierte Neuauflage, Lünen 2014. Preis: 14,95 € (D).
ISBN: 978-3-942772-90-7. Infos: www.systemed.de

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Ketoküche für EinsteigerStuth, Dorothee/Gonder, Ulrike: Ketoküche für Einsteiger: Rezepte und Kraftshakes. 50 ketogene Rezepte, die schmecken. 128 Seiten, Softcover, systemed Verlag,  42015. Preis: 14,00 € (D).
ISBN: 978-3-942772-42-6. Infos: www.systemed.de

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